Sonntag, 30. Januar 2011

Rohwolle waschen

Kimbajana hat mir vor Weihnachten Jakobschaf geschickt. Bis jetzt bin ich nicht dazu gekommen es zu waschen, da aber die Wolle nicht feucht war und in einem Pappkarton war, habe ich sie einstweilen im Keller gelagert. Eigentlich sollte man sie ja so schnell wie möglich waschen, mir hat aber echt die Zeit gefehlt. Heute hatte ich endlich Zeit und nun wurde die Jakobsschafwolle gewaschen.
Hier eine kleine Anleitung zum Rohwolle waschen:

Generell finde ich es eigentlich gar nicht sooo schwierig und aufwendig. Was braucht frau dazu:
  • einen großen Bottich oder Wäschewandl
  • einen Kübel
  • heißes Wasser
  • Spülmittel
  • evtl Wäschestampfer, falls frau irgendwo einen auftreibt
  • großes Plastiksieb
  • Essig, um den Ph-Wert wieder herzustellen.

Bevor ich die Wolle einweiche sortiere ich sie und zwar in lange Fasern, kürzere Fasern und unspinnbare Fasern, d.h. Nachschnitt und sehr kurze Fasern.
Kürzere Fasern haben durchaus ihre Vorteil, da sie sich sehr gut zum Strickfilzen eignen, sofern das Kardiergerät sie akzeptiert. Ich habe einen Ashford Wild Carder, der schluckt die eigentlich. Lange Fasern stehen beim Strickfilzen nämlich ganz gerne heraus, was ich persönlich nicht so prickelnd im Endprodukt finde.
Nach Möglichkeit entferne ich auch alle größeren Heuteile und sonstigen grauslichen Sachen (jeder, der schon direkt vom Bauern Schafwolle geholt hat, weiß wohl was ich mit "grauslich" meine).

Im Sommer arbeite ich meistens im Garten, was aber den Nachteil hat, daß ich Unmengen an heißem Wasser hinunterschleppen muß. Allerdings eignet sich der Gartenschlauch wunderbar zum Spülen und es ist auch nicht so schlimm, wenn mal etwas daneben geht.
Im Herbst und Winter benutze ich einfach die Badewanne und stelle das Wäschewandl hinein.
Generell eher kleine Mengen waschen, da sich sonst der Dreck nicht so gut hinauswaschen läßt. Herbstschur ist meistens weniger eingestreut und eingesaut wie Frühjahrschur, weshalb ich dazu übergegangen bin, nur mehr Herbstschur zu holen.

Also gut los gehts:
Ich fange mit einer relativ niedrigen Temperatur an und gehe dann langsam höher bis der Bottich voll ist. Dadurch gewöhnt sich die Wolle  an die Temperatur und neigt weniger zum Filzen. Ach ja Spülmittel nicht vergessen, immerhin soll die Wolle ja sauber werden. Durch die hohe Temperatur löst sich das Wollfett.  Ich muß sagen, ich bin nicht zimperlich mit der Temperatur, meistens hat sie so ungefair 60 Grad.
Im Sommer kann man den Bottich ganz wunderbar auch von der Sonne warmhalten lassen. Zwischendurch bearbeite ich die Wolle mit dem Wäschestampfer, damit der Dreck rausgeht. Nach einigen Stunden oder einer Nacht, je nach Verschmutzungsgrad und Zeit schaufle ich die Wolle in den anderen Kübel, die letzten Reste gieße ich über dem Sieb ab, was gerade bei der Badewanne vorteilhaft ist, sonst hat frau bald eine Mordsverstopfung in den Rohren.
Dann kommt die Wolle nochmals einige Zeit ins Spülibad. Manchmal reicht 2 x, manchmal muß man auch öfters einweichen. Die Jakobsschafwolle war eigentlich sehr sauber, bereits bei der 2. Spülung war eigentlich nur mehr klares Wasser darin.
Anschließend spüle ich die Wolle entweder mit Dusche oder Gartenschlauch. Ein Schuß Essig noch in das Ausspülwasser, damit der Ph-Wert der Wolle wieder hergestellt wird.  Bitte immer darauf achten, daß der Temperaturunterschied nicht so krass ist, d.h. nicht warme Wolle kalt duschen. Im Garten muß man eben darauf warten bis sie abgekühlt ist. Meistens mache ich das dann in der Dämmerung. In Tirol wirds ja auch im Sommer abends relativ kalt. :) Irgendeinen Vorteil muß das ja haben.  
Meine neueste Errungenschaft ist eine alte Zentrifuge (Wäscheschleuder). Sie leistet wunderbar gute Dienste, erstens wird da noch jede Menge Einstreu rauszentrifugiert und zweitens ist sie dann nicht mehr tropfnaß, sodaß sie dann relativ schnell trocken wird.

Das war es eigentlich, ich finde nicht, daß das eine große Hexerei ist. Zum Glück haben wir eine Dusche, sodaß es nichts ausmacht, wenn ich die Badewanne mit meiner Wolle belege. :)

Natürlich kann man jetzt einwenden, daß der Energieverbrauch hier auch relativ hoch ist. Natürlich brauche ich ziemlich viel Wasser für die Einweicherei und Spülerei. Allerdings benutze ich das letzte Spülwasser meistens dazu, um gleich den Garten ein wenig zu wässern. Bis jetzt hat das den Blümchen nicht wirklich geschadet. Die Betonung liegt auf Blümchen nicht auf Gemüse. :)

Kommentare:

  1. ähnlich mache ich es auch..ich benutzte gerne broße schwarze Baueimer und Edelstahl-Roste für den Backofen oder alte Abtropfen für Geschirr, die ich oben auf den eimer lege, um so das Wasser aus der Wolle ablaufen zu lassen. Lieber weniger stampfen,eher nur leicht rühren,das ist meine Erfahrung. Stampfer benutze ich beim wollteppichwaschen. schön eine gleichgesinnte zu treffen im Netz.gruß wiebke

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  2. Du hast recht Wiebke, Stampfer ist mit Vorsicht zu genießen, allerdings griff ich bei sehr verdreckter Frühjahrschurwolle schon mal zum Stampfer. Aber mit Gefühl. :)
    lg Poledra

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  3. Ich würde mich da nicht heran trauen. Ich wüsste,mal abgesehen von Schafsköddeln, gar nicht wie ich Brauchbares von Unbrauchbarem unterscheiden sollte.

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Über mich

Mein Bild
Die Idee Dinge des täglichen Gebrauchs selbst herzustellen hat mich immer schon fasziniert. Außerdem liegt es mir sehr am Herzen altes Wissen nicht verloren gehen zu lassen. Manchmal könnte man mich als Konsumverweigerin bezeichnen, allerdings bin ich den modernen Dingen durchaus nicht abgeneigt, ich habe nur etwas gegen die Wegwerfgesellschaft. Ich habe einen Hang zu alten Dingen, sei es nun Möbel, altes Geschirr, Klamotten. Bücher stehen in stetiger Konkurrenz mit meiner Spinnerei. So lese ich gerne Bücher über den asiatischen Raum, ab und zu Fantasy und sozialkritische Bücher und natürlich sammle ich Bücher über Spinnen, Färben, Handarbeiten. Wie könnte es anders sein. Nebenbei habe ich auch noch den unseligen Hang Kochbücher zu sammeln, gekocht wird dann allerdings in den meisten Fällen "Schnelle Küche". Zur Erntezeit muß ich allerdings das Spinnzeug weglegen und auch mal in die Küche bzw. vorher in den Garten gehen. Dann wird eingekocht und eingemacht. Ich habe zum Leidwesen meines Mannes den Hang bei dem Anblick von Wollfasern alles um mich herum zu vergessen und natürlich Unmengen an Spinnfutter gehortet.