Dienstag, 28. Mai 2013

Begegnung im Garten

Hühner gehen ja bekanntlich mit der Sonne schlafen. So bleiben sie momentan ziemlich lange auf.
So kann es schon mal passieren, daß ich erst spät nachts bei ihnen die Stalltüre zu mache. Keine Sorge, sie haben ja ein umzäuntes und abgesichertes Freigehege, aber der Stall, wo sie schlafen, wird erst dann zugemacht, wenn alle drinnensitzen.
Ich neige ja dazu, ab und zu meine Grenzen auszuloten und vergesse die Taschenlampe. Dann muß ich mich komplett auf meine anderen Sinne verlassen. Es ist interessant, wie man plötzlich auf Geräusche achtet, wie man den Boden unter seinen Füßen spürt und sich auf seine Erinnerungen verlassen muß. Es ist stockdunkel beim Hühnerstall. So auch vor einigen Tagen. Fast Mitternacht und ich tappe im Dunkeln am Hasengehege vorbei. Plötzlich höre ich ein Fauchen. Eindeutig kein Katzenpfauchen. In meinen Vorstellungen sah ich schon, wie Dachs und Marder meiner Menagerie an den Kragen wollen. Also zurück und doch ausnahmsweise die Stirnlampe geholt. Mein Mann wird sich wohl gewundert haben, in welchem Tempo ich die Stiegen heraufgestürmt kam und irgendwas von wilden Tieren gefasselt habe. Also schnurstracks diesmal mit Stirnlampe und Schaufel (man weiß ja nie) bewaffnet zurück Richtung Hasengehege. Und was sehen nun meine sehenden Augen:
Ein Igelchen!
Eigentlich ein ziemlich dicker und fetter Igel und ich wäre fast auf ihn gestiegen. Kein Wunder, daß er mich angefaucht hat. Die Igel kommen gerne zu uns, gibt es doch sicher immer etwas Freßbares am Kompost. Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Armer Igel, fast hätte ich dich verdächtigt, meine Kaninchen fressen zu wollen. Der Igel aber umkreist meine Füße und beschnuppert mich ausgiebig. Keine Anzeichen von Angst, bis er irgendwann umdreht und gemächlich Richtung Nachbar's Stall wandert. Gute Jagd, kleiner Igel!


Schade, daß ich keinen Fotoapparat dabei hatte.
Ich könnte mir ja einbilden, daß es der Igel war, welchen wir vor einigen Jahren im Frühherbst aufgepäppelt haben. Damals ein kleines untergewichtiges Nichts. Aber vermutlich wäre das wohl des Guten zuviel. 
Und weil ich leider kein Foto gemacht habe, zeige ich euch Eines von unserem aufgepäppelten Igel.

Spannend finde ich überhaupt, wieviel Getier sich rund um unser Haus in der Nacht bewegt. Die Rehe fressen regelmäßig meine Stockrosenknospen ab. Die müssen wirklich wunderbar schmecken. Derzeit steht das Gras sehr hoch. Die Bauern haben noch nicht gemäht. Wenn ich am Morgen hinausblicke, kann ich die vielen Wege sehen, welche die Tiere im hohen Gras zurücklegen. Letzten Winter sind in der Nacht keine drei Meter neben mir 2 Füchse im Liebesrausch an mir vorbeigejagt. Sie haben mich nicht einmal bemerkt. Im Frühjahr konnten wir ein weißes Hermelin am Waldrand beobachten, wie es immer hin- und her rannte und dann in seine Löcher abtauchte. Und bei den vielen Schreien und Geräusche, die man in der Nacht aus dem Wald hört, kann einem manchmal Angst und bange werden. Aber ich genieße es, so nahe an der Natur zu sein. Es lehrt mich achtsam zu sein. Es passiert um uns herum so viel mehr, als wir erahnen. Sie leben ihr eigenes Leben und ich denke mal, wir sind eher eine lästige Nebensache für sie. Außer vielleicht als interessante Nahrungsquelle, da wir ziemlich wohlschmeckende Stockrosen haben.

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Über mich

Mein Bild
Die Idee Dinge des täglichen Gebrauchs selbst herzustellen hat mich immer schon fasziniert. Außerdem liegt es mir sehr am Herzen altes Wissen nicht verloren gehen zu lassen. Manchmal könnte man mich als Konsumverweigerin bezeichnen, allerdings bin ich den modernen Dingen durchaus nicht abgeneigt, ich habe nur etwas gegen die Wegwerfgesellschaft. Ich habe einen Hang zu alten Dingen, sei es nun Möbel, altes Geschirr, Klamotten. Bücher stehen in stetiger Konkurrenz mit meiner Spinnerei. So lese ich gerne Bücher über den asiatischen Raum, ab und zu Fantasy und sozialkritische Bücher und natürlich sammle ich Bücher über Spinnen, Färben, Handarbeiten. Wie könnte es anders sein. Nebenbei habe ich auch noch den unseligen Hang Kochbücher zu sammeln, gekocht wird dann allerdings in den meisten Fällen "Schnelle Küche". Zur Erntezeit muß ich allerdings das Spinnzeug weglegen und auch mal in die Küche bzw. vorher in den Garten gehen. Dann wird eingekocht und eingemacht. Ich habe zum Leidwesen meines Mannes den Hang bei dem Anblick von Wollfasern alles um mich herum zu vergessen und natürlich Unmengen an Spinnfutter gehortet.